In vier Schritten zum übersichtlichen Gesamtbild Ihrer Altersvorsorge
„Ich hatte da mal was abgeschlossen … aber wo war das jetzt genau? Zu dem Berater von damals habe ich keinen Kontakt mehr."
Diesen Satz höre ich erstaunlich oft. Eine Direktversicherung aus dem ersten Job, ein Riester-Vertrag, den die Hausbank vor Jahren empfohlen hatte, eine Pensionskasse aus der Zeit vor der Elternzeit. Dazu die jährliche Post der Deutschen Rentenversicherung, die irgendwo in einem Ordner liegt. Jeder Vertrag für sich ist ordentlich dokumentiert. Nur das Gesamtbild hat niemand.
Genau dafür gibt es seit 2023 die Digitale Rentenübersicht: ein kostenloses, staatliches Online-Portal, das Ihre Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge, also aus allen drei Schichten an einem Ort zusammenführt. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie die Anmeldung funktioniert und worauf Sie dabei achten sollten.
Was die Digitale Rentenübersicht ist
Betrieben wird das Portal von der Zentralen Stelle für die Digitale Rentenübersicht, die bei der Deutschen Rentenversicherung Bund angesiedelt ist. Die Adresse lautet www.rentenuebersicht.de.
Ein häufiges Missverständnis gleich vorweg: Das ist nicht dasselbe wie das Online-Kundenkonto auf der Website der Deutschen Rentenversicherung. Dort sehen Sie Ihre gesetzliche Rente und Ihren Versicherungsverlauf – mehr nicht. Die Digitale Rentenübersicht geht darüber hinaus: Sie fragt mit Ihrer Steuer-ID bei allen angebundenen Anbietern nach, also auch bei Versicherern, Pensionskassen und Fondsgesellschaften, und stellt die Ergebnisse nebeneinander.
Die Werte stammen aus den jährlichen Renten- und Standmitteilungen der Anbieter. Sie sehen also keinen neuen Rechenstand, sondern das, was Ihnen die einzelnen Anbieter ohnehin per Post schicken – nur ordentlich gebündelt.
Die Anmeldung in vier Schritten
Schritt 1: Ein Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion
Sie müssen dafür in aller Regel keinen neuen Ausweis beantragen. Jeder Personalausweis, der seit dem 15. Juli 2017 ausgestellt wurde, hat die Online-Ausweisfunktion (eID) bereits automatisch aktiviert. Ein separater „digitaler Personalausweis" ist nicht nötig.
Nur wenn Ihr Ausweis älter ist und Sie die Funktion damals abgewählt haben, müssen Sie sie im Bürgeramt nachträglich einschalten lassen. Alternativ funktionieren auch der elektronische Aufenthaltstitel und die eID-Karte für EU-Bürgerinnen.
Schritt 2: Die eigene, sechsstellige PIN
Mit dem Ausweis kommt per Post ein PIN-Brief mit einer fünfstelligen Transport-PIN. Diese ist nur ein Platzhalter: Bevor Sie die Online-Funktion nutzen können, laden Sie sich die AusweisApp (kostenlos für Smartphone und Computer) auf Ihr Smartphone herunter. Sodann ersetzen Sie die fünfstellige PIN durch eine selbst gewählte, sechsstellige PIN.
Den PIN-Brief nicht mehr gefunden, die PIN vergessen? Das geht vielen so. Die PIN lässt sich im Bürgeramt neu setzen – dafür müssen Sie persönlich mit Ihrem Ausweis erscheinen. Planen Sie diesen Termin also ein, bevor Sie sich an die Rentenübersicht setzen.
Technisch brauchen Sie außerdem: ein Smartphone oder Tablet mit NFC-Funktion (das ist bei den meisten aktuellen Geräten der Fall) oder ein Kartenlesegerät am Computer.
Schritt 3: Ihre Steuer-ID bereithalten
Über die Steuer-Identifikationsnummer findet die Rentenübersicht Ihre Verträge bei den Anbietern. Sie steht auf Ihrem Einkommensteuerbescheid und auf Ihrer Gehaltsabrechnung.
Schritt 4: Registrieren und Ansprüche anfragen
Auf www.rentenuebersicht.de registrieren Sie sich einmalig, bestätigen Ihre Identität über die AusweisApp und lösen die Anfrage aus. Rechnen Sie damit, dass es einige Tage dauern kann, bis alle Anbieter geantwortet haben.
Ein Detail, das Sie kennen sollten: Das Portal speichert Ihre Daten nicht dauerhaft. Laden Sie die Übersicht deshalb herunter oder drucken Sie sie aus – sie lässt sich exportieren und ist eine sehr gute Unterlage für ein Beratungsgespräch.
Was Sie dann sehen
Für jeden gefundenen Vertrag zeigt Ihnen die Übersicht unter anderem, wann die Leistung ausgezahlt wird, welche Anwartschaft Sie bereits erreicht haben und welche Leistung bei Rentenbeginn voraussichtlich zu erwarten ist. Dazu kommen die Kontaktdaten des jeweiligen Anbieters.
Für viele meiner Kundinnen ist das der erste Moment, in dem die eigene Altersvorsorge überhaupt als Ganzes sichtbar wird. Gerade bei Lebensläufen mit Arbeitgeberwechseln, Teilzeit und Elternzeit tauchen dabei Verträge wieder auf, die längst vergessen waren. Warum solche Umwege beim Vermögensaufbau kein Grund zum Aufgeben sind, habe ich hier beschrieben: Ruhestandsplanung leicht gemacht.
Gut zu wissen: Was die Übersicht (noch) nicht zeigt
Damit Sie Ihre Ergebnisse richtig einordnen können, lohnt sich ein Blick auf die Grenzen des Portals. Die Digitale Rentenübersicht ist ein großer Fortschritt – sie ist aber nicht vollständig. Das ist kein technischer Fehler, sondern gesetzlich so geregelt.
Wer verpflichtet ist, mitzumachen: Seit dem 31. Dezember 2024 müssen sich Anbieter anbinden, die jährliche Standmitteilungen verschicken müssen und mehr als 1.000 Vorsorgeansprüche verwalten. Das betrifft die meisten großen Versicherer, Pensionskassen und Riester-Anbieter.
Was häufig fehlt:
- Direktzusagen und Unterstützungskassen des Arbeitgebers. Sie müssen keine Standmitteilungen verschicken und sind deshalb nicht zur Anbindung verpflichtet.
- Kleinere Anbieter mit weniger als 1.000 Verträgen – sie dürfen freiwillig teilnehmen, müssen aber nicht.
- Berufsständische Versorgungswerke, etwa für Ärztinnen, Anwältinnen oder Architektinnen. Sie entscheiden selbst über die Anbindung. Für Freiberuflerinnen fehlt damit oft genau der größte Baustein.
- Die Beamtenversorgung.
Was grundsätzlich nicht erfasst wird:
- ETF-Sparpläne, Aktiendepots und Fondsdepots ohne Versicherungsmantel
- Immobilien
- Tagesgeld, Festgeld und Banksparpläne
Und schließlich: Hat ein Anbieter Ihre Steuer-ID nicht hinterlegt – bei älteren Verträgen nicht selten –, kann er Ihre Anfrage nicht zuordnen. Der Vertrag existiert, erscheint aber nicht.
Das bedeutet in der Praxis: Wer einen großen Teil seiner Altersvorsorge über ein eigenes Depot aufbaut – was ich in vielen Fällen ausdrücklich für sinnvoll halte –, sieht in der Digitalen Rentenübersicht womöglich nur einen Bruchteil seines tatsächlichen Vermögens. Das Ergebnis kann also zu pessimistisch ausfallen. Oder, wenn man vergisst, dass alle Beträge brutto und in heutigen Euro ausgewiesen sind, zu optimistisch.
Warum eine Übersicht noch kein Plan ist
Die Digitale Rentenübersicht ist eine Inventur. Sie sagt Ihnen, was da ist. Sie sagt Ihnen nicht:
- Wie viel davon netto ankommt. Gesetzliche Rente, Betriebsrente und Riester-Rente werden unterschiedlich besteuert, auf Betriebsrenten fallen in der Regel zusätzlich Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an.
- Was die Beträge in zwanzig Jahren noch wert sind. Bei 2,9 Prozent Inflation hat ein Euro in gut 24 Jahren nur noch die Hälfte seiner Kaufkraft. Eine Rentenlücke rechnet man deshalb in Kaufkraft, nicht in Euro.
- Ob die Summe zu Ihrem Leben passt. Eine Rentenlücke ist immer der Abstand zwischen dem, was kommt, und dem, was Sie brauchen. Den zweiten Teil kennt kein Portal.
- Welche Verträge sich noch lohnen. Manche alten Verträge sind teuer und unflexibel, andere sind wertvoll und sollten auf keinen Fall gekündigt werden. Das lässt sich nur im Einzelfall beurteilen.
- Wie aus all dem ein verlässliches Einkommen im Ruhestand wird. Das ist Ruhestandsplanung – und etwas anderes als Altersvorsorge.
Diese Fragen hängen voneinander ab. Wer sie einzeln beantwortet, optimiert Details und verpasst das Ganze. Was fehlende oder schlechte Beratung kosten kann, habe ich hier aufgeschrieben: „Ich bin doch nicht blöd!?".
Mein Rat: Erst abrufen, dann nächste Schritte gehen
Nehmen Sie sich die halbe Stunde für die Anmeldung. Sie lohnt sich – auch dann, wenn Sie am Ende feststellen, dass Ihnen ein Vertrag fehlt. Gerade das ist eine wertvolle Erkenntnis.
Und dann bringen Sie Ihren Ausdruck mit. Zusammen mit Ihren Depotauszügen, den Unterlagen zu Versorgungswerk oder Immobilie und Ihren Vorstellungen vom Leben im Ruhestand entsteht daraus das, was die Übersicht allein nicht leisten kann: ein Plan.
Wie geht es weiter?
Die Digitale Rentenübersicht zeigt Ihnen, was Sie haben. Ob es reicht, wofür es reicht und was Sie jetzt tun sollten – das klären wir gemeinsam.
Lassen Sie uns über Ihre Situation sprechen. In einem ersten Gespräch schauen wir auf Ihre Rentenübersicht, Ihre bestehenden Verträge und Ihre Ziele – und ergänzen, was das Portal nicht zeigt. Unabhängig, und verständlich.
Bildquelle: ausweisapp.bund.de







