„Aktien steigen langfristig immer.“ Stimmt das wirklich?

von | Juli 23, 2026

Aktien steigen langfristig immer.“ Diesen Satz höre ich oft – und ja, ich sage ihn selbst. Denn im Vergleich zu Anleihen stimmt er in den meisten Fällen. Aber stimmt er wirklich immer? Und für alle Märkte auf der Welt?

Die ehrliche Antwort lautet: Nein – nicht immer, nicht überall und nicht für jede Aktie.


Die unbequeme Wahrheit: Märkte, die jahrzehntelang stagniert haben

Wer glaubt, Aktien seien ein Selbstläufer, sollte einen Blick auf Japan werfen.

Der japanische Aktienindex Nikkei 225 erreichte im Dezember 1989 seinen historischen Höchststand von knapp 39.000 Punkten. Was folgte, war eine der längsten Baissephasen der Börsengeschichte: Es dauerte 35 Jahre, bis der Nikkei dieses Niveau wieder erreichte – erst Anfang 2024.

Wer also 1989 in japanische Aktien investiert hat und bis 2020 gewartet hätte, hätte – trotz dreier Jahrzehnte Geduld – keinen einzigen Cent Kursgewinn erzielt. Von Inflation ganz zu schweigen.

Japan ist kein Einzelfall. Auch andere Märkte kennen lange Durststrecken:

  • Deutschland (Neuer Markt): Der Index für Technologiewerte kollabierte zwischen 2000 und 2003 um über 95 % – und erholte sich nie wieder vollständig.
  • Russland: Mit Beginn des Krieges in der Ukraine 2022 wurden russische Aktien für westliche Anleger faktisch wertlos.
  • Emerging Markets: Viele Schwellenländer-Indizes haben in den vergangenen 15 Jahren trotz starkem Wirtschaftswachstum enttäuschende Renditen geliefert.

Warum steigen manche Märkte nicht?

Dafür gibt es mehrere Gründe – häufig wirken sie zusammen:

Überbewertung: Wenn Anleger in einem Boom übertrieben hohe Preise zahlen, kann es Jahrzehnte dauern, bis die Unternehmensgewinne diese Bewertungen rechtfertigen.

Strukturelle Wirtschaftsprobleme: Deflation, Überalterung der Bevölkerung, sinkende Produktivität der Wirtschaft – wie es in Japan lange zu beobachten war.

Politische und geopolitische Risiken: Sanktionen, Enteignungen oder Krieg können ganze Märkte auf null setzen.

Währungsrisiken: Selbst ein steigender Auslandsindex kann für inländische Anleger nach Währungsverlusten negativ werden.


Was bedeutet das für Ihr Depot?

Der entscheidende Fehler, den viele Anlegerinnen und Anleger machen, ist folgender: Sie investieren konzentriert in einzelne Länder, Branchen oder Aktien – und gehen damit ein Risiko ein, das sich von Anfang an vermeiden ließe.

Die Lösung ist so einfach wie wirkungsvoll: breite Diversifikation.

Globale Streuung statt Länderwette – aber bitte richtig

Hier räume ich gerne mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf: Der MSCI World ist trotz seines Namens kein wirklich globaler Index.

Er umfasst rund 1.500 Aktien aus 23 Industrieländern – das klingt nach viel, ist aber nur ein Bruchteil des tatsächlich investierbaren Aktienuniversums. Weltweit gibt es schätzungsweise 15.000 börsennotierte Unternehmen, in die Anlegerinnen und Anleger grundsätzlich investieren könnten. Der MSCI World bildet davon gerade einmal etwa ein Zehntel ab.

Was fehlt, ist erheblich:

  • Schwellenländer (Emerging Markets) fehlen vollständig – also China, Indien, Brasilien, Südkorea, Taiwan und viele weitere Wachstumsmärkte, die einen immer größeren Teil der Weltwirtschaft ausmachen.
  • Kleine und mittelgroße Unternehmen (Small Caps) sind kaum vertreten – der Index konzentriert sich auf große, etablierte Konzerne.
  • Die USA dominieren mit rund 70 % des Indexgewichts – wer also in den MSCI World investiert, hat faktisch eine sehr starke Wette auf den amerikanischen Markt.

Der MSCI World hat über die vergangenen 30 Jahre eine durchschnittliche Rendite von rund 8–9 % pro Jahr erzielt – trotz Dotcom-Krise, Finanzkrise, Corona und Zinswende. Das ist beeindruckend. Aber ein erheblicher Teil dieser Rendite kam aus der starken Performance US-amerikanischer Technologiekonzerne. Ob das so bleibt, weiß niemand.

Auf die Gewichtung achten

Vorsicht auch bei vermeintlich globalen Produkten: Wer etwa ausschließlich auf US-amerikanische Technologiewerte setzt, ist nicht wirklich diversifiziert – sondern sektoral hochkonzentriert. Das war in den vergangenen Jahren sehr profitabel. Aber es muss nicht so bleiben.

Regelmäßig investieren statt auf den richtigen Zeitpunkt warten

Ein weiterer Schutz vor dem „falschen Markt zur falschen Zeit“: der Cost-Average-Effekt. Wer regelmäßig und unabhängig vom Marktgeschehen investiert, kauft automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind – und verhindert, genau zum Höchststand vollständig investiert zu sein.


Mein Fazit für Ihr Portfolio

Ja, Aktien steigen langfristig – aber nur, wenn man es richtig macht:

  • Global diversifiziert investieren, nicht auf einzelne Länder oder Branchen setzen
  • Kosten im Blick behalten – günstige Indexfonds (ETFs) schlagen aktiv gemanagte Fonds auf lange Sicht in den meisten Fällen
  • Disziplin bewahren und nicht in Panik verkaufen, wenn die Kurse fallen
  • Regelmäßig überprüfen, ob die Zusammensetzung des Depots noch zur eigenen Lebenssituation passt

Genau das ist die Arbeit, die ich gemeinsam mit meinen Kundinnen und Kunden mache: nicht die nächste Marktbewegung vorhersagen – das kann niemand –, sondern ein Portfolio aufbauen, das robust genug ist, um auch schwierige Phasen zu überstehen.

Wie sieht Ihr Depot wirklich aus?

Wissen Sie, wie breit Ihre Geldanlage tatsächlich gestreut ist? Wie hoch der US-Anteil in Ihrem Portfolio ist? Halten Ihre Fonds wirklich das, was ihr Name verspricht?

Genau das schaue ich mir gemeinsam mit Ihnen an – mit einem klaren Blick auf das Wesentliche und auf das, was wirklich zu Ihnen passt.

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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Für eine individuelle Beratung, die Ihre persönliche Situation, Ihre Ziele und Ihre Risikobereitschaft berücksichtigt, sprechen Sie mich gerne an.

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Carmen Stephan

Finanzberatung für Frauen | Frankfurt am Main

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