Jedes Jahr im Frühling und Herbst das gleiche Spiel: Die Modehäuser präsentieren ihre neuen Kollektionen, und plötzlich ist das, was letztes Jahr noch der letzte Schrei war, hoffnungslos out. Neue Farben, neue Schnitte, neue „Must-haves“ – und wir kaufen, obwohl der Schrank voll ist.
Was viele nicht wissen: Nach genau diesem Prinzip funktioniert auch die Finanzbranche. Nur ist sie dabei deutlich weniger glamourös – und für die eigene Geldbörse am Ende oft deutlich teurer.
Der Trend-Zyklus der Finanzwelt
In der Finanzbranche gibt es zwar keine Modewochen, dafür aber regelmäßig neue „Trendprodukte“. Mal sind es neue Arten von Fonds wie z.B. ELTIFs (European Long Termin Investment-Funds), mal ein steuerlich gefördertes Produkt wie Riester- oder Basisrente, mal ETFs mit aktivem Investmentansatz (z.B. Smart Beta) oder das neuste Krypto-Zertifikat.
Die Finanzbranche wird nicht müde, ständig neue Produkte zu kreieren, die sie an den Mann/an die Frau bringen möchte.
Diese Trends halten sich nicht wie in der Mode ein paar Monate, sondern oft jahrelang – manchmal sogar jahrzehntelang, bis sich langsam herumspricht, dass das Produkt für die Kundschaft eigentlich wenig gebracht hat.
Und dann kommt das nächste Trendprodukt.
Der entscheidende Unterschied zur Mode: Ein Kleidungsstück, das aus der Mode kommt, kann man trotzdem noch tragen. Ein Finanzprodukt, das „aus der Mode kommt“, hat einem oft schon Jahre lang unnötig hohe Gebühren aus der Tasche gezogen – und lässt sich nicht einfach im Schrank verstauen.
Das einzige Ziel: Umsatz
So unterschiedlich die einzelnen Trendprodukte auch daherkommen – ihr Zweck ist meistens derselbe: neue Umsätze für Banken und Versicherungen zu generieren. Ein neues Produkt bedeutet neue Abschlussprovisionen, neue Verwaltungsgebühren, neue Vertriebsanreize. Wenn der Bestand an bestehenden Kundinnen und Kunden ausgereizt ist, braucht es ein neues Thema, mit dem man wieder an sie herantreten kann.
Das ist per se nicht unmoralisch – Jede Branche, jedes Unternehmen muss Umsatz machen. Problematisch wird es aber, wenn der Nutzen für die Käuferin oder den Käufer dabei aus dem Blick gerät.
Der Trick mit der Steuervergünstigung
Besonders gut verkaufen sich Finanzprodukte immer dann, wenn Steuervorteile oder staatliche Zuschüsse winken. Das klingt erst einmal verlockend: Wer möchte nicht Steuern sparen oder sich die Geldanlage vom Staat sponsern lassen?
Genau das Bedürfnis, Steuern zu sparen wird gezielt genutzt. Die Aussicht auf eine Steuerersparnis oder eine Förderung lenkt den Blick weg von den eigentlich entscheidenden Fragen: Wie hoch sind die Kosten? Wie flexibel ist das Produkt? Was bleibt am Ende wirklich übrig, wenn man alle Gebühren, Provisionen und versteckten Kosten gegenrechnet?
Viele Menschen unterschreiben einen Vertrag in dem guten Gefühl, etwas „Kluges“ für sich getan zu haben – und merken erst Jahre später, wenn sie ihre Standmitteilung genauer anschauen, wie wenig am Ende tatsächlich für sie herausgesprungen ist.
Klammheimlich statt transparent
Das eigentliche Problem vieler Finanzprodukte liegt nach wie vor in ihrer Intransparenz. Kosten werden nicht hinreichend offen ausgewiesen, sondern verstecken sich in Verwaltungsgebühren, Performancefees, Abschlusskosten oder Kosten für Garantien. Wer nicht ganz genau hinschaut – und das tun die wenigsten – merkt gar nicht, wie viel von der eigenen Rendite Jahr für Jahr auf diesem Weg verloren geht.
Anders als beim Modekauf, bei dem der Preis klar auf dem Etikett steht, bleibt bei vielen Finanzprodukten im Dunkeln, was sie einen wirklich kosten. Genau das macht sie so gefährlich: Man merkt den Effekt nicht sofort, sondern erst nach Jahren – wenn es meist zu spät ist, um noch etwas zu ändern, ohne erneut Geld zu verlieren.
Wessen Wohlstand wächst hier eigentlich?
Am Ende bleibt die entscheidende Frage: Wer profitiert eigentlich von einem Finanzprodukt – die Anlegerin oder der Anbieter? Bei vielen der immer wieder neu aufgelegten Trendprodukte lautet die ehrliche Antwort: in erster Linie die Finanzbranche selbst. Provisionen, Verwaltungsgebühren und Vertriebskosten sorgen dafür, dass Banken und Versicherungen verlässlich verdienen – unabhängig davon, wie sich die Märkte entwickeln und ob am Ende für die Kundschaft wirklich etwas Nennenswertes übrig bleibt.
Was das für Sie bedeutet
Die gute Nachricht: Man muss bei diesem Spiel nicht mitmachen. Genauso wenig, wie man jeden Modetrend mitgehen muss, muss man jedem neuen Finanzprodukt hinterherlaufen. Es lohnt sich, bei neuen „Trendprodukten“ genauer hinzuschauen:
- Wem nützt das Produkt in erster Linie: mir oder dem Anbieter?
- Gibt es einfachere, kostengünstigere Alternativen, die den gleichen Zweck erfüllen?
- Wird der Steuervorteil oder Zuschuss isoliert beworben, ohne die Gesamtkosten offenzulegen?
Wer diese Fragen stellt, entkommt dem ewigen Trend-Karussell der Finanzbranche – und sorgt dafür, dass am Ende tatsächlich der eigene Vermögensaufbau im Mittelpunkt steht, nicht der Umsatz der Bank oder Versicherung.
Denn eines ist sicher: Ein Trend kommt garantiert wieder – der nächste ist schon in Vorbereitung.
Sie haben genug vom Trend-Karussell?
Wenn Sie Ihr Geld lieber solide und langfristig investieren möchten, anstatt ständig dem neuesten Finanztrend hinterherzujagen – dann lassen Sie uns sprechen. In einem persönlichen Beratungsgespräch schauen wir uns gemeinsam an, was zu Ihrer Situation und Ihren Zielen wirklich passt, ganz ohne modischen Schnick-Schnack. Das erste Gespräch ist kostenfrei und garantiert zielführend.
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