Wenn ich in meinen Vorträgen das Publikum frage, welche Einflüsse die erfolgreiche, private Geldanlage verhindern können, kommen oft die folgenden Antworten:
- niedrige Zinsen
- hohe Inflation
- die „falschen“ Aktien oder die falschen ETFs
- nicht rechtzeitig gekauft zu haben
- den Ausstieg verpasst zu haben.
Diese Antworten sind alle nicht falsch, sie sind jedoch nicht der wahre Grund für unterdurchschnittliche Ergebnisse bei der privaten Geldanlage.
Der wahre Feind der erfolgreichen Vermögensanlage und alles was damit zusammenhängt wie Altersvorsorge, Ruhestandsplanung usw. sitzt im Kopf der Menschen selbst.
Was heißt das genau, was sitzt im Kopf, das über die Jahre so viele Fehlentscheidungen hervorbringt?
Ich habe Ihnen einige Gründe zusammengestellt, die ich im Laufe der vielen Jahre als Kapitalmarktexpertin herausgearbeitet habe.
Emotionen dominieren unsere Entscheidungen
Wir Menschen sind emotionale Wesen und deswegen treffen wir auch emotionale Entscheidungen, egal in welcher Hinsicht. Wir können gar nicht anders als emotional zu entscheiden. Unser Verstand ist allerdings so schlau, dass er die emotionalen Entscheidungen im nachhinein mit rationalen Argumenten rechtfertigt, z.B den Panikverkauf bei Kursrückgängen.
„Es war besser, dass ich verkauft habe, wer weiß wie weit die Kurse noch fallen…“
1. Angst und Gier
- Panikverkauf bei Kursrückgängen
Man schaut ins Depot und sieht nur noch rote Zahlen. Die Märkte fallen und uns beschleicht die Panik, dass man die gesamten Ersparnisse verlieren könnte. Die Angst, ein Gefühl, sagt dem Verstand: „Du muss unbedingt verkaufen, wer weiß wohin das ganze noch führt. Am Ende hast du umsonst gearbeitet und guckst später in die Röhre.“
Das kann man absolut nach vollziehen, ist jedoch nicht sinnvoll, vor allem, wenn Sie sich ein langfristiges Ziel gesetzt haben, jeden Monat über Sparpläne investieren. - Gier in Boomphasen setzt oft Gier ein, die eng mit Angst in Zusammenhang steht. Die Angst hinter der Gier ist nämlich: Fear Of Missing Out, kurz FOMO genannt. „Jetzt schnell noch rein!“, nur nichts verpassen. Nicht am Rande stehen, wenn die anderen Champagner trinken und wilde Partys feiern.
Gier ist nie ein guter Ratgeber, denn Gewinne fühlen sich dann nie ausreichend an, es soll immer „noch mehr“ sein, unabhängig davon, ob die Ziele eigentlich schon erreicht sind. Zudem werden oft hohe Risiken eingegangen (z.B. spekulative Einzelwerte, Hebelprodukte, „heiße Tipps“), um schnell noch eine hohe Renditen zu erzielen.
2. Herdentrieb
Der Herdentrieb bedeutet, einfach der Masse zu folgen – oft ohne die Investments vorher einer eingehenden Analyse unterzogen zu haben. Statt rationale Entscheidungen zu treffen orientiert man sich daran, was „alle anderen“ gerade tun. Warum ist der Herdentrieb so gefährlich? Man kauft in Boomphasen, wenn viele Geldanlagen bereits überbewertet sind, und verkauft in Krisen, wenn sie unterbewertet sind – das Gegenteil einer langfristigen und rationalen „günstig kaufen, teuer verkaufen“-Strategie. Entscheidungen basieren mehr auf Schlagzeilen und Kursbewegungen als auf Unternehmenszahlen wie z.B. die Bewertung einer Aktien oder dem Geschäftsmodell des Unternehmens.
3. Keine ausreichende Streuung der Anlagen
bedeutet, das gesamte Vermögen in einige, wenige Aktie oder gehypte Branchen zu stecken. Die größte Gefahr dabei sind die Klumpenrisiken, die Anleger eingehen, wenn sie nicht breit streuen. Prominentes Beispiel derzeit ist ein sehr bekannter Index, auf den es zahlreiche ETFs gibt, den MSCI-World. Dieser Index ist extrem US-lastig und zudem noch sehr Tech-lastig. Man hat also gleich ein zweifaches Klumpenrisiko. In einem stark konzentrierten Depot können Verluste einzelner Positionen kaum durch Gewinne anderer aufgefangen werden; das gesamte Portfolio schwankt daher stärker. Darüber hinaus ist man abhängig von wenigen Szenarien: Wenn das Depot nur bei guten Konjunkturaussichten oder nur in einem bestimmten Boom (z.B. USA/Tech/KI) funktioniert, kann es schnell passieren, dass politische, regulatorische oder technologische Schocks das Vermögen überproportional treffen.
4. Kurzfristiges Denken
wer keine (langfristige) Strategie bei seiner Geldanlage verfolgt, läuft viel schneller Gefahr, dass er proaktiv handelt und sich von vorübergehenden Marktschwankungen zu Aktivitäten veranlasst fühlt. Dabei ist das ständige aktiv-Sein für den langfristigen Erfolg komplett kontraproduktiv. Markettiming ist das Problem. An dieser „Strategie“ versuchen sich viele, auch Profis. Per definitione bedeutet Markettiming: Anlagestrategie, bei der versucht wird, durch „perfektes“ Timing von Ein‑ und Ausstieg an der Börse eine höhere Rendite zu erzielen als der Markt. Das Ziel ist, zu prognostizieren, wann Kurse fallen oder steigen werden, um möglichst unten zu kaufen und oben zu verkaufen. Prognosen üben einen unglaublichen Reiz aus, sie treffen jedoch in den wenigsten Fällen tatsächlich ein. Eine höhere Rendite wird auf diesem Wege so gut wie nie erzielt, denn wie will man damit „den Markt schlagen“? Keiner hat eine Glaskugel und keiner kann Kurse prognostizieren.
5. Kosten unterschätzen
Kommen wir mal zu den Kosten: Besonders das Market Timing verursacht nicht nur hohe Kosten durch zahlreiche Transaktionen, sondern vor allem versteckte Renditeverluste. Durch verpasste gute Börsentage geht so viel Rendite verloren, die Sie mit neuen Investments kaum wieder reinholen können. Diese Kosten sind konkret: direkte Kosten wie Transaktionsgebühren, Steuern und „Stress‑Fehlentscheidungen. Wer bei Schwankungen „raus und wieder rein“ geht, verpasst leicht einige der besten Tage – oft direkt auf heftige Kursrückgänge folgen. Analysen zeigen: Verpasst man nur wenige Top‑Tage, halbiert sich langfristig die Rendite oder kippt sogar ins Minus (z.B. DAX über 31 Jahre bei nur 13 verpassten Spitzentagen).
Damit ist klar, dass all die Gründe wie niedrige Zinsen, hohe Inflation oder die „falschen“ Aktien oder die falschen ETFs schlicht nicht greifen. Zinsen und Inflation sind Parameter des Finanzsystems, die sich jedoch mit der richtigen Anlagestrategie ganz einfach beherrschen lassen. Die Beherrschung der eigenen Emotionen dagegen ist viel schwieriger für den Laien.
Wenn Sie jetzt sagen: „Ok, ich brauche einen Mentor, der mich durch die Höhen und Tiefen der Kapitalmärkte geschickt navigiert und dafür sorgt, dass ich keine Fehler mache, dann lassen Sie uns sprechen.
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