Die nächste Korrektur am Aktienmarkt kommt bestimmt, nur nicht auf Ansage.

von | Sep. 9, 2026

Warum seit Jahrzehnten vor dem großen Einbruch gewarnt wird – und warum prognosefreies Investieren die klügere Antwort darauf ist.

„Frau Stephan, wann kommt eigentlich der Crash?“

Diese Frage höre ich derzeit in fast jedem zweiten Gespräch. Meistens kommt sie beiläufig, oft mit einem leicht entschuldigenden Lächeln, manchmal aber auch mit echter Sorge. Und fast immer folgt derselbe Halbsatz: „Man liest ja überall, dass …“

Ich nehme diese Frage sehr ernst. Nur beantworte ich sie anders, als die meisten es erwarten.

Meine Antwort lautet: Ja, eine Korrektur an den Märkten kommt. Ganz sicher sogar. Nur keiner weiß wann. Und – das ist der eigentlich wichtige Teil – man muss es auch nicht wissen, damit Ihre Vermögensanlage funktioniert.

Warum das so ist, möchte ich Ihnen in diesem Beitrag Schritt für Schritt erklären.

Die Warnung ist keine Nachricht. Sie ist ein Dauerzustand.

Werfen Sie einmal einen Blick auf die Schlagzeilen der vergangenen Monate: „KI-Blase platzt“, „Minus 90 Prozent – diese Warnsignale sollten Anleger jetzt ernst nehmen“, „Steht die Börse kurz vor einer deutlichen Korrektur?“, „Der Markt hat ein Warnsignal ausgelöst, das es in der Geschichte erst fünfmal gab“.

Das klingt dringlich. Das klingt neu. Das ist es aber nicht.

Ein kleiner Rückblick auf Warnungen, die genauso dringlich klangen:

  • Januar 2016: Die Royal Bank of Scotland riet ihren Kunden in einer viel beachteten Analyse, „alles zu verkaufen“ – 2016 werde ein „kataklysmisches Jahr“. Die Weltbörsen beendeten das Jahr im Plus.
  • 2019: Der Ökonom Markus Krall sagte den Zusammenbruch des Systems für „Ende 2020 oder Anfang 2021″ voraus. Er kam nicht.
  • Marc Friedrich und Matthias Weik kündigten den „größten Crash aller Zeiten“ an – „spätestens 2023″. Auch er kam nicht.
  • März 2009, am absoluten Tiefpunkt der Finanzkrise, erklärte Dirk Müller, Aktien und Aktienfonds gehörten „in diesen unsicheren Zeiten einfach nicht ins Depot“. Der Weltaktienmarkt legte in den folgenden 36 Monaten um rund 82 Prozent zu.

Das ist keine Bosheit gegenüber einzelnen Personen. Es ist eine strukturelle Beobachtung: Die Warnung vor dem Crash ist kein Ereignis, sondern ein Geschäftsmodell. Sie erzeugt Klicks, verkauft Bücher, füllt Säle und bringt Aufmerksamkeit. Eine Schlagzeile, die lautet „Die Märkte schwanken heute ungefähr so wie immer“, verkauft nichts.

Dass die Finanzbranche mit Trends, Moden und Dringlichkeit arbeitet, habe ich an anderer Stelle schon ausführlich beschrieben: Die Finanzbranche ist ähnlich wie die Modebranche – nur nicht ganz so schick.

Was das Warten auf den Crash tatsächlich gekostet hat

Nun könnte man sagen: Was schadet es, vorsichtig zu sein? Wer nicht investiert ist, kann auch nichts verlieren.

Doch, kann er. Nur merkt er es nicht so deutlich, weil der Verlust nicht auf dem Kontoauszug steht.

Aufschlussreich ist ein Blick darauf, wie die Fonds derjenigen abgeschnitten haben, die am lautesten gewarnt haben. Der Vermögensverwalter und Autor Gerd Kommer hat das ausgewertet:

  • Wer im Mai 2015 in den Fonds von Dirk Müller investierte, lag rund sechs Jahre später unter dem Einstandswert – während ein simpler Welt-Aktien-ETF im selben Zeitraum etwa 70 Prozent zulegte.
  • Der von Marc Friedrich mitverantwortete Fonds erzielte zwischen 2017 und Mitte 2021 weniger als die Hälfte dessen, was ein Buy-and-Hold-Investment in den Weltaktienmarkt gebracht hätte.

Peter Lynch, einer der erfolgreichsten Fondsmanager der Geschichte, hat es so formuliert: Weit mehr Geld sei dadurch verloren gegangen, dass Anleger sich auf Korrekturen vorbereiteten, als durch die Korrekturen selbst.

Genau das ist der Punkt. Die Korrektur ist nicht das teuerste Ereignis an der Börse. Das Warten darauf ist es.

Warum die Frage „Wann?“ grundsätzlich nicht verlässlich zu beantworten ist

Vielleicht denken Sie jetzt: Gut, Crash-Propheten sind eine Sache. Aber die seriösen Analysten großer Banken – die müssen es doch wissen?

Auch das lässt sich überprüfen. Die Hamburger Sutor Bank hat die DAX-Jahresprognosen von Bankanalysten seit 1997 ausgewertet. Das Ergebnis:

Abweichung in einzelnen Jahrenbis zu 40 Prozentpunkte
Durchschnitt aller Prognosen über 20 Jahre8,55 % p. a.
Tatsächliche DAX-Entwicklung im selben Zeitraum7,14 % p. a.

Lesen Sie diese Tabelle bitte zweimal, denn sie enthält zwei sehr unterschiedliche Botschaften.

Auf lange Sicht liegen die Fachleute im Mittel gar nicht schlecht: Rund acht Prozent im langjährigen Durchschnitt – das ist eine brauchbare Größenordnung. Für das einzelne Jahr sind die Prognosen jedoch nahezu wertlos. Abweichungen von bis zu 40 Prozentpunkten sind keine Feinjustierung, das ist Raten.

Und für Ihre Geldanlage bedeutet das: Die Information, die Sie bräuchten, um erfolgreich aus- und wieder einzusteigen – nämlich der Zeitpunkt – ist genau die Information, die niemand hat. Auch nicht gegen ein hohes Honorar.

Das Problem mit dem Wiedereinstieg

Angenommen, Sie steigen aus. Sie verkaufen, weil die Nachrichtenlage bedrohlich klingt, und warten, bis „sich die Lage beruhigt hat“.

Dann brauchen Sie zwei richtige Entscheidungen statt einer. Und die zweite ist die deutlich schwerere.

Die Sutor Bank hat den DAX über 31 Jahre untersucht, von Ende 1987 bis Ende 2018. In diesem Zeitraum brachte der Index durchschnittlich 7,2 Prozent pro Jahr. Wer allerdings die 13 besten Einzeltage verpasste, halbierte seine Rendite. Wer die 33 besten Tage verpasste, landete im Minus.

33 Tage. Aus rund 7.800 Handelstagen.

Nun kommt die entscheidende Ergänzung, und die stammt von J.P. Morgan Asset Management: Sieben der zehn besten Börsentage lagen innerhalb von zwei Wochen um die zehn schlechtesten Tage herum. Im März 2020 folgte auf den zweitschlechtesten Tag des Jahres unmittelbar der zweitbeste.

Die besten Tage sind also nicht über die Jahre gleichmäßig verteilt. Sie liegen mitten im Sturm – genau dort, wo Sie nicht investiert sind, wenn Sie sich vorher in Sicherheit gebracht haben. Wer den schlechtesten Tagen ausweichen will, weicht fast zwangsläufig auch den besten aus.

Die Asymmetrie, die alles entscheidet

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum „investiert bleiben“ auf lange Sicht gewinnt. Er liegt im Verhältnis von Auf- und Abwärtsphasen.

Wertet man die Bärenmärkte im US-Aktienmarkt seit den 1940er-Jahren aus, ergibt sich ein bemerkenswert klares Bild:

Durchschnittliche DauerDurchschnittliche Entwicklung
Bärenmarktrund 14 Monaterund – 34 %
Bullenmarktrund 60 Monaterund + 165 %

Abwärtsphasen sind kurz und heftig. Aufwärtsphasen sind lang und leise. Das ist der Grund, warum sich der Weltaktienmarkt über die Jahrzehnte trotz zweier Weltkriege, Ölkrisen, Hyperinflation, geplatzter Blasen und Pandemien nach oben entwickelt hat: nicht weil es keine Katastrophen gab, sondern weil die Erholungsphasen länger dauern als die Einbrüche.

Zur Einordnung: Der Corona-Crash im Februar 2020 kostete rund 40 Prozent – und war nach etwa zehn Monaten vollständig aufgeholt. Wer damals verkaufte und auf ein „gutes Einstiegsniveau“ wartete, wartet bei manchen bis heute.

Über den Zeitraum 1970 bis Mitte 2025 lag die reale, also inflationsbereinigte Rendite des Weltaktienmarktes bei rund 5,4 Prozent pro Jahr – in Euro beziehungsweise D-Mark gerechnet, inklusive aller Krisen dieses Zeitraums.

Was prognosefreies Investieren wirklich bedeutet

Genau hier setzt meine Arbeitsweise an. Ich arbeite prognosefrei. Das heißt: Ich baue Ihre Struktur nicht auf einer Annahme darüber auf, was als Nächstes passiert – sondern so, dass sie in möglichst vielen verschiedenen Zukünften funktioniert.

Das ist ausdrücklich kein „Augen zu und durch“. Prognosefrei heißt nicht sorglos. Es heißt konkret:

  • Der Zeithorizont bestimmt die Aktienquote, nicht die Nachrichtenlage. Geld, das Sie in drei Jahren brauchen, gehört nicht in denselben Topf wie Geld für den Ruhestand in zwanzig Jahren.
  • Ein Liquiditätspuffer ist Teil der Anlagestrategie, nicht ihr Gegenteil. Wer im Ernstfall auf Reserven zugreifen kann, muss nicht zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen.
  • Breite Streuung über Regionen, Branchen und Anlageklassen – damit kein einzelnes Thema, so überzeugend es heute auch klingen mag, über Ihr Ergebnis entscheidet.
  • Rebalancing nach festen Regeln, nicht nach Bauchgefühl. Das ist übrigens das Einzige, was einem antizyklischen Handeln nahekommt: Sie verkaufen automatisch etwas von dem, was gut gelaufen ist, und kaufen von dem, was zurückgeblieben ist.
  • Automatisierte Sparraten, die auch dann weiterlaufen, wenn die Kurse fallen. In genau diesen Monaten kaufen Sie die meisten Anteile für Ihr Geld.
  • Und im Ruhestand: eine Entnahmestruktur, die Kursrückgänge aushält. Dieser Punkt ist für Ihre Ruhestandsplanung der wichtigste von allen.

Die bessere Frage

„Wann kommt der Crash?“ ist eine Frage, die niemand beantworten kann – auch nicht die, die es lautstark behaupten.

Die Frage, die Sie sich stattdessen stellen sollten, lautet:

„Was passiert mit meinem Plan, wenn die Kurse deutlich fallen – und halte ich das aus?“

Diese Frage ist beantwortbar. Sie ist sogar sehr präzise beantwortbar, wenn man Ihre Zahlen kennt: Ihren Zeithorizont, Ihre Verpflichtungen, Ihre Reserven, Ihre bestehenden Verträge und Ihre persönliche Belastbarkeit bei Schwankungen.

Und wenn Sie diese Frage einmal sauber durchgerechnet haben, stellen Sie fest: Die Schlagzeilen verlieren erstaunlich schnell ihre Macht über Sie. Nicht, weil Sie mutiger geworden wären. Sondern weil Sie vorbereitet sind.

Ihr nächster Schritt

Sie müssen die nächste Korrektur nicht vorhersehen. Sie müssen sie nur überstehen können – finanziell und nervlich. Beides lässt sich planen, aber nicht zwischen Tür und Angel und nicht anhand von Schlagzeilen.

Lassen Sie uns über Ihre Situation sprechen. In einem kostenfreien Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf Ihre Ziele, Ihre bestehende Struktur, Ihren Zeithorizont und Ihre Reserven – unabhängig, verständlich und ohne Verkaufsdruck. Danach wissen Sie, was ein Kursrückgang für Sie konkret bedeuten würde. Und das ist deutlich beruhigender als jede Prognose.

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Ihre Carmen Stephan – Finanzmentorin und zertifizierte Ruhestandsplanerin

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Weiterbildung und stellt keine Anlageberatung dar. Historische Wertentwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Quellen: Gerd Kommer – Untergangspropheten · Gerd Kommer – Resilienz des Aktienmarkts · Sutor Bank / DAX beste Tage · Sutor Bank / DAX-Prognosen · J.P. Morgan Guide to Retirement · Bullen-/Bärenmarkt-Statistik · Shiller CAPE · Stiftung Warentest – Börsenjahr 2026 · CNN Money – RBS 2016

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Carmen Stephan

Finanzberatung für Frauen | Frankfurt am Main

Als Finanzmentorin begleite ich Sie persönlich auf Ihrem Weg zu finanzieller Unabhängigkeit. Mit einem respektvollen und wertschätzenden Ansatz auf Augenhöhe habe ich Ihre finanziellen Interessen im Blick.

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